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<title>Tokio - Finn Mayer-Kuckuk</title>
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<description>Geboren 1974, ist er seit Anfang 2007 Korrespondent für Japan und Korea mit Sitz in Tokio. Davor hat er für das Handelsblatt in den Ressorts Politik und Finanzen gearbeitet. Jetzt hat er ein Auge darauf, mit welchen Trends die Japaner mal wieder schneller sind als alle anderen.</description>
<language>de</language>
<lastBuildDate>Thu, 08 Oct 2009 16:43:08 +0200</lastBuildDate>
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<title>Taifun</title>
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<description><![CDATA[Heute fegte ein heftiger Wirbelsturm über Japan hinweg. Diese Taifune sind eigentlich genau dasselbe wie die Zyklone in der Karibik, von denen besonders &#8220;Katrina&#8221; dafür berühmt geworden ist, New Orleans überschwemmt und das Image George Bushs als Macher ruiniert zu haben. Der Unterschied zwischen Amerika und Japan ist jedoch: Die Japaner wissen, wie mit schlechtem Wetter umzugehen ist. <br /><br /> Bei diesen Wirbelstürmen regnet es enorm. Es regnet so viel, dass man sich das als Deutscher erstmal gar nicht vorstellen kann. Heute kamen in der Nähe von Tokio 83 Millimeter Regen in einer Stunde herunter, im Süden Japans waren es zeitweilig über 200 Millimeter. Das sind Werte, die deutsche Metereologen ihr Leben lang nicht vermelden müssen. Starkregen, das sind in Deutschland 17 Millimeter, bei 30 Millimeter stehen die Keller unter Wasser.<br />
<br />
Da, wo ich wohne, regnete es glücklicherweise nicht so heftig, nur acht Millimeter zeigte die Wetterwebsite. Auch der Wind war im inneren Tokios bei weitem nicht so heftig wie bloß 150 Kilometer weiter nördlich. Dort fegte eine Windhose durch eine Ortschaft. Sie riss einem Haus die Seitenwand ab. Im zerklüfteten japanischen Bergland treffen bei Taifun manchmal umgeleitete Winde aus vier Richtungen aufeinander. Dort entstehen dann diese Windhosen.<br />
<br />
In Tokio blieb dagegen hauptsächlich der Verkehr stehen. Sämtliche oberirdischen Nahverkehrslinien stoppten, weil sich Äste und andere Gegenstände in den Oberleitungen verfingen. An einigen Stellen kippten auch die Masten, die die Leitungen halten. Millionen von Fahrgästen saßen fest. Wirklich, buchstäblich Millionen. In Tokio warteten heute mehr Leute an Bahnhöfen, als Berlin Einwohner hat.<br />
<br />
Ich hatte Glück. Bis ich um halb zehn Uhr aus dem Haus musste, war der schlimmste Regen vorbei, es blieb nur der heftige Wind. Bis zu meinem Ziel schaffte ich es mit der U-Bahn, die zwar überfüllt war, aber immerhin fuhr. Erst auf dem Rückweg entging ich knapp einer Beule, als der Wind ein Plastikteil dicht an meinem Kopf vorbeiwehte. Es war etwa einen halben Meter lang und sah ziemlich massiv aus.<br />
<br />
In meinem Wohnzimmer steht jetzt noch alles herum, was sonst auf dem Balkon steht: Ein Blumenkübel, Topfpflanzen, der Besen, eine Wäschestange. Der Hausmeister hatte gestern auch dazu aufgerufen, die Abflüsse am Balkon zu checken. Sonst könnte er bei Taifun leicht zur Badewanne werden.<br />
<br />
Grundsätzlich hat sich Japan jedoch erneut ziemlich wetterfest gezeigt. Die Dämme haben gehalten, und kam dass der Sturm durch war, fuhren die Züge wieder an - schon auf meinem Rückweg am Nachmittag hatte sich die Lage normalisiert.<br />
<br />
Das beste am Taifun ist das schöne Wetter danach. Wenn ein Sturmtief vorbeigezogen ist, wird die Luft glasklar und die Sonne kommt heraus.<br />
]]></description>
<pubDate>Thu, 08 Oct 2009 16:43:08 +0200</pubDate>
<dc:creator>hbgr039</dc:creator>
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<title>Murata-Girl fährt wieder Einrad</title>
<link>http://hbgr39.blogg.de/eintrag.php?id=100</link>
<description><![CDATA[Eine S-Bahnstunde vom Tokioter Stadtzentrum entfernt hat heute eine der witzigsten Technikmessen der Welt eröffnet. Auf der Ceatec zeigt Japans Elektoindustrie eine Woche lang ihre Neuheiten. Das Riesenthema sind dieses Jahr die 3D-Fernseher, die kommendes Jahr in die Läden kommen sollen.  <br /><br /> Die Firma Sharp hat zwar auch Modelle in Vorbereitung, auf denen der Zuschauer auch ohne Brille ein plastisches Bild sieht. Doch die Massenanwendung wird ganz klar nicht auskommen, ohne dass sich alle im Wohnzimmer so ein Plastikgestell auf die Nase setzen. Sei’s drum.<br />
<br />
Die drei Branchenführer Panasonic, Sony und Sharp präsentierten schwerpunktmäßig diese neue Technik auf ihren Ständen. Panasonic hielt im Viertelstundentakt Vorführungen in einem regelrechten 3D-Kino ab, unter anderem mit den Trailern richtiger 3D-Spielfilme, die derzeit in Hollywood im Schnitt sind. <br />
<br />
Sony hatte seinen Auftritt offener gestaltet und an seinem Stand rundum dutzende der neuen Fernseher angebracht, an denen die Schaulustigen in Zweierreihe anstanden, um eine Weile gucken zu dürfen. Von der Bildqualität her gefielen mir die Geräte von Panasonic am besten, aber das ist nur ein ganz subjektiver Eindruck.<br />
<br />
Handys sind bereits mit der 3D-Technik zu haben. Kein Wunder, sie sollen schließlich in der Lage sein, alle gängigen Inhalte abzuspielen. Und Kino – das wird künftig standardmäßig dreidimensional. Meint die Elektroindustrie, der es am liebsten wäre, dass wir unsere gerade erst für WM oder Olympia gekauften Flachfernseher bald schon wieder wegschmeißen, weil unser Nachbar schon 3D hat.<br />
<br />
Etwas verblüffend fand ich auch die allerdünnsten Fernseher, die an ihrer breitesten Stelle etwa so dick sind wie eine Zeitschrift – und größtenteils nur wenige Millimeter messen.<br />
<br />
In den sieben Hallen orientierte ich mich daran, wo sich Menschenmengen sammelten. Den größten Auflauf fand ich in Halle eins am Stand des Komponentenspezialisten Murata. Dieser stellte eine Neuauflage von Murata Girl vor, einer kleinen Roboterin, die Einrad fahren kann. Sie machte ungefähr die Übungen, die wir damals in der Grundschule mit dem Fahrrad beim Verkehrssicherheitstraining gemacht hatten: Über eine Wippe fahren, enge Kurven fahren. <br />
<br />
Es beeindruckte mich, wie Murata Girl präzise anhielt, ohne umzufallen. Dafür quälte die Firma die Zuschauer bei dieser Gelegenheit auch mit dem unvermeidlichen Video dazu, wie umweltfreundlich Produktion und Produkte bei ihnen sind. Ich kann das Wort „Shô-Ene“, japanisch für energiesparend, nach diesem Messenrundgang erstmal nicht mehr hören.<br />
<br />
Ebenfalls eine neugierige Menschenmenge zog der Autohersteller Nissan mit kniehohen Robotern an, die ein bisschen an große aufgeplusterte Vögel erinnerten. Diese fuhren auf einer engen Strecke immer im Kreis, ohne zusammen zu stoßen. Als Attraktion maßlos überschätzt, dachte ich mir. Das hätten die Ingenieure vermutlich auch vor vierzig Jahren mit Infrarotsensoren und Transistoren auf Leiterplatten hinbekommen. <br />
<br />
Nissan versichert jedoch, dass hier modernste Software mit den Sensoren der Zukunft zusammen spielen. Hintergrund ist die Idee, dass wir künftig im Allgemeinen nicht mehr selbst lenken, sondern alles unserem Autocomputer überlassen. Weil der eben nicht mit anderen Autos zusammenstößt. Der Witz daran ist, dass diese Kükenroboter miteinander drahtlos Infos austauschen und ausmachen, wer wem wie ausweichen soll.<br />
<br />
Insgesamt war ich ein bisschen enttäuscht. Die „Combined Exhibition of Advanced Technologies“, kurz halt Ceatec, galt früher als Geheimtip unter den Elektronikmessen. Hier haben japans Technikunternehmen ihre verspielten Neuerungen lange vor der Marktreife vorgestellt. <br />
<br />
Da kamen so lustige Sachen bei heraus wie 2005 das farbige elektronische Papier, was ich übrigens für einen heißen Kandidaten für die zukünfte Zustellung der Tageszeitung halte. Oder der Gesichtsalters-Sensor der Firma Omron vor zwei Jahren. Irgendwann gab es auch diesen golfspielenden Roboter. Und wo ist der Maid-Roboter mit Haube und dieser zuckrigen Stimme, der früher mal Tee serviert hat? Oder die einfühlsame kleine Streichelrobbe fürs Altersheim?<br />
<br />
Die 3D-Fernseher sind dagegen reine Mainstream-Produkte, und die komplette Palette war schon auf der IFA in Berlin zu sehen. Da hätte die Ceatec mehr bieten müssen, um ihrem Ruf treu zu bleiben.<br />
<br />
Dieses Jahr stellen 804 Firmen aus – etwa 90 weniger als im Jahr 2007 vor der Wirtschaftskrise.]]></description>
<pubDate>Tue, 06 Oct 2009 15:49:56 +0200</pubDate>
<dc:creator>hbgr039</dc:creator>
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<item>
<title>Tsunami-Einschlag</title>
<link>http://hbgr39.blogg.de/eintrag.php?id=99</link>
<description><![CDATA[Vor zwei Jahren habe ich<a href="http://hbgr39.blogg.de/eintrag.php?id=13"> hier einen Eintrag</a> dazu geschrieben, wie ein Tsunami ausblieb, vor dem das japanische Erdbebenamt gewarnt hatte. Bei einem kräftien Erdbeben heute früh südwestlich von Tokio zeigte sich, dass das System durchaus funktioniert.  <br /><br /> Es gab einen Tsunami, der auch kurz nach dem Beben an der Küste einschlug. Das Fernsehen hatte nur Minuten nach dem Beben auf den möglichen Tsunami hingewiesen und vor einer Welle mit einer Höhe von 50 Zentimetern gewarnt. Kurz darauf kommt die Meldung, dass Küstenstationen einen Rückzug des Meeres um 60 Zentimeter gemessen haben.<br />
<br />
„Darauf folgt im Allgemeinen ein Anstieg im gleichen Ausmaß. Seien Sie an der Küste extrem vorsichtig“, sagt der Sprecher im Studio. Vermutlich völlig überflüssig. In der Nähe zieht ein Taifun vorbei, hohe, schäumende Wellen wüten  ohnehin gegen die Küste. Da geht derzeit ohnehin keiner hin. <br />
<br />
Trotzdem: „Es hat zwar jetzt einen Tsunami gegeben, bleiben Sie aber vorsichtig. Tsunamis können mehrfach auftreten. Es besteht die hohe Wahrscheinlichkeit einer zweiten oder dritten Welle.“<br />
<br />
<a href="http://hbgr39.blogg.de/eintrag.php?id=13"> Bei der großen Tsunami-Warnung vor zwei Jahren war stundenlang nichts passiert, das Fernsehen warnte aber trotzdem weiter.</a><br />
<br />
Das Beben hatte diesmal eine Magnitude, also Energiefreisetzung, von 6,6 auf der in Japan üblichen Magnitudenskala. Die Erschütterungen erreichten auf der Halbinsel Izu eine Intensität von 6+ auf der japanischen Skala für die Auswirkung von Beben. Das ist für eine so eine dicht besiedelte Wirtschafts- und Tourismusregion wie die betroffene Präfektur Shizuoka schon ein ganz schöner Schüttler. <br />
<br />
Wie immer nach einem stärkeren Bebeben wiederholte der Sprecher im Fernsehen allerlei beunruhigend-beruhigende Informationen. Das Kernkraftwerk Hamaoka habe eine automatische Schnellabschaltung vorgenommmen, Radioaktivität trete nicht auf. <br />
<br />
Wenn doch Radioaktivität austräte, würden uns die Behörden das sagen? Es gibt im engen Tokio keinen Ort, an den Millionen verängstiger Menschen fliehen könnten. <br />
<br />
Das Kraftwerk Hamaoka ist der Ausgangspunkt eines Szenarios für eine Superkatastrophe, die der Seismologe Minoru Konagaya von der Universität Kobe entwickelt hat. Hamaoka steht exakt auf einer besonders gefährlichen Verwerfung. Unter den Meilern stoßen mehrere tektonische Platten zusammen.<br />
<br />
Die japanische Regierung ignoriert die Möglichkeit einer Kernschmelze jedoch komplett. Es gibt nicht einmal eine Schätzung für den möglichen Schaden. <br />
<br />
Ein GAU sei technisch unmöglich, deshalb müsse sich der Staat auch nicht vorbereiten, lautet die offizielle Haltung. Dahinter steckt: Wenn es eine Schätzung gäbe, würde das die Leute nur unnötig beunruhigen. <br />
<br />
Ich persönlich glaube zwar trotz aller Skandale grundsätzlich an die Sicherheit japanischer Kerntechnik. Doch die Aussicht, dass sich bei einem richtig starken Beben die Regelstäbe verklemmen könnten, ist schon etwas eigentümlich.<br />
<br />
Doch jetzt nach dem Beben erinnert selbst der öffentlich-rechtliche Sender NHK an die Möglichkeit, dass auch etwas schief gehen könnte: „Wir übermitteln nun Informationen über den Zustand der Kernkraftwerke. Die in Betrieb befindlichen Blöcke vier und fünf der Anlage in Hamaoka haben eine kontrollierte Notabschaltung vorgenommen. Ein außergewöhnlicher Zustand besteht nicht. Die Energieversorger melden keine Stromausfälle.“<br />
<br />
Derweil geht das übliche Erdbebenprogramm weiter.<br />
<br />
"Wir sind jetzt mit Herrn Imai verbunden, dem Erdbebenbeauftragten in der Stadt Shimoda. Herr Imai, wir haben hier Nachrichten über einen Tsunami vorliegen. Wie sieht bei Ihnen das Meer aus?"<br />
"Wo ich hier bin, kann ich das Meer nicht sehen."<br />
"Ah-ha. Gibt es denn bei Ihnen Anfragen besorgter Bürger?"<br />
"Nein, Bürger haben noch keine angerufen."<br />
"Soso. Ja. Verstehe. Wie ist die Lage bei Ihnen im Rathaus?"<br />
"Eigentlich nicht so stark verändert. Einige Akten sind aus dem Schrank gerutscht."<br />
"Verstehe."<br />
"Aber ich mache mir Sorgen, dass es zu Erdrutschen gekommen sein könnte. Schließlich regnet es seit Tagen in Strömen. Da kann einiges runterkommen."<br />
Jetzt wurde der Mann im Studio wieder munterer.<br />
"Sie erwarten also Zerstörungen?"<br />
"Bisher weiß ich von nichts."<br />
"Verstehe. Das war Herr Imai von der Stadtverwaltung Shimoda. Uns erreichen jetzt Nachrichten, dass in Shizuoka ein Kleinkind von einem herunterfallenden Fernseher am Bein verletzt wurde und ins Krankenhaus gebracht wurde. Und... ich höre gerade, eine 78-jährige Rentnerin am Kopf verletzt... ebenfalls durch einen herabfallenden Fernseher."<br />
<br />
"Wir sehen jetzt den Tokioter Hauptbahnhof, wo auf den Bahnsteigen Hochgeschwindigkeitszüge stehen. Sie können nicht abfahren, bevor Japan Rail die Schienen auf der Strecke bis Nagoya lückenlos überprüft und freigegeben hat."<br />
<br />
Die Leute von Fuji TV, einem Privatsender, brachten jetzt schon wieder Werbeblöcke in den Erdbebeninformationen. Aufschlussreich waren die Fernsehbilder aus dem Gebäude des Regionalsenders der Fuji-Kette im Erdbebengebiet. Die interne Kamera zeigt, wie die Flaschbildschirme auf den Tischen anfangen zu schwingen und die Papierberge der Redakteure ins Rutschen geraten. <br />
<br />
Während ein männlicher Journalist sofort – völlig vorschriftsgemäß – unter den Tisch taucht und komplett unsichtbar wird, greift seine weibliche Kollegin hastig nach einer herumliegenden Videokamera und fägt an zu drehen. Ich sag’s ja immer, japanische Männer sind braver und verantwortungsvoller als die Frauen.<br />
<br />
Langsam laufen erste Schadensmeldungen ein. In Shizuoka sind schwach gebaute Mauern dund Getränkeautomaten umgefallen. Der Hauptsender NHK zeigt, wie in einem Supermarkt die Gänge voll liegen mit Shampooflaschen und Waschmittelpacks, die aus dem Regal gefallen sind. Dann kommen Bilder von einem Tempel, dem einige Dachziegel runtergerutscht sind. Der Einblendung zufolge lag dies jedoch am Taifun, der sich gerade auch nähert.<br />
<br />
„Wir sind jetzt mit Nishidaira-san verbunden, einem unserer Journalisten, der sich gerade im Omaezaki Grand Hotel aufhält. Herr Nishidaira, wo sind Sie gerade?“<br />
„Im Büro des Hotelmanagers. Mitarbeiter sind hier gerade beschäftigt, in sämtlichen Zimmern anzurufen und die Gäste zu überprüfen.“<br />
„Herr Nishidaira, wie sieht das Meer bei Ihnen aus?“<br />
„Das kann ich von hier aus nicht sehen. Aber ich habe im Fernsehen gesehen, dass es einen Tsunami gegeben haben soll.“<br />
<br />
Um 7.20 Uhr, zwei Stunden nach dem Beben, hob das Erdbebenamt die Tsunami-Warnung wieder auf.<br />
]]></description>
<pubDate>Mon, 10 Aug 2009 23:57:52 +0200</pubDate>
<dc:creator>hbgr039</dc:creator>
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<item>
<title>Minerva freigesprochen</title>
<link>http://hbgr39.blogg.de/eintrag.php?id=98</link>
<description><![CDATA[Ein Gericht in Seoul hat heute einen Blogger freigesprochen, der seit Anfang Januar im Gefängnis saß. "Minerva" hatte die Wirtschaftskrise richtig vorhergesagt - die Staatsanwaltschaft warf ihm dagegen vor, Südkorea durch die „Verbreitung von Gerüchten“ geschädigt zu haben. <br /><br /> Park Dae-Sung hatte unter dem Namen „Minerva“ ein viel gelesenes Blog geschrieben. Er hatte unter anderem im vergangenen Jahr eine Abwertung des südkoreanischen Won und die Pleite der US-Bank Lehman Brothers richtig vorhergesagt.<br />
<br />
Die Kunde von dem angeblichen Orakel machte erst im Netz, dann in den klassischen Massenmedien die Runde. Die Klickzahlen auf seiner Seite im internetfreudigen Korea steil an. Bald folgte eine runde Million Leser seinen Ausführungen. Der Computerexperte schrieb jedoch trotz seiner Popularität weiterhin nur unter Pseudonym.<br />
<br />
Eines Tages behauptete er ohne Belege, dass die Regierung Südkoreas Regionalbanken aufgefordert habe, keine US-Dollar mehr anzukaufen. Mit Blick auf diesen Eintrag warf die Staatsanwaltschaft dem 30-jährigen Starblogger vor, das Vertrauen der Koreaner in ihre Währung und in die Finanzarchitektur gefährlich untergraben zu haben.<br />
<br />
Möglicherweise spielte es auch eine Rolle, dass er die Wirtschaftspolitik der Regierung mit sehr deutlichen Worten kritisierte. Wer weiß?<br />
<br />
Statt 18 Monate ins Gefängnis ging Park jedoch zurück in die Freiheit. Südkoreas Justiz hat ihre Unabhängigkeit bewiesen. Das zuständige Bezirksgericht hat den talentierten Wirtschaftsblogger heute freigesprochen. <br />
<br />
Doch der Schaden ist geschehen: Park musste fast vier Monate in einer Zelle zubringen. <br />
Hoffentlich hat er sich von dem traumatischen Erlebnis nicht zu sehr einschüchtern lassen – hoffentlich bloggt er als hellsichtiger Warner weiter.]]></description>
<pubDate>Mon, 20 Apr 2009 09:14:38 +0200</pubDate>
<dc:creator>hbgr039</dc:creator>
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</item>
<item>
<title>Minerva hat ausgebloggt</title>
<link>http://hbgr39.blogg.de/eintrag.php?id=97</link>
<description><![CDATA[Da versteht die südkoreanische Regierung keinen Spaß. Die Polizei hat den 31-jährigen Blogger Minerva in Seoul in Handschellen abgeführt. Offizielle Begründung: Er habe sachlich falsches Informationen in seinem Blog wiedergegeben. Wenn das jetzt auch in demokratischen Staaten ein Grund für Verhaftungen soll, dann müssten demnächst ziemlich viele Leute hinter Gitter. Doch hinter Minervas Festnahme steckt mehr. <br /><br /> Der wahre Grund für die Festnahme ist ein ganz anderer. Park Dae-Sung hatte in 280 Postings anonym aufgeschreiben, was sonst keiner in Südkorea zu sagen wagte. <br />
<br />
Im Frühjar 2008 schrieb er, dass die richtig schlimme Krise noch kommt und auch sein Land hart treffen werde.<br />
<br />
Im September 2008 erkannte er, dass die US-Investmentbank Lehman Brothers wohl nicht mehr zu retten sei und danach die Finanzwelt so richtig in Schwierigkeiten geraten würde.<br />
<br />
Er sah im Februar 2008 den Absturz des koreanischen Won voraus, als dieser noch als Hochpreiswährung gehandelt wurde.<br />
<br />
Die südkoreanische Regierung glaubt sehr stark an die psychologische Seite einer Krise. Das hat etwas mit vergangenen Erfahrungen zu tun: 1997 litt die Wirtschaft des Landes, als internationale Investoren plötzlich ihr Kapial abzogen. Schlechte Nachrichten zur Wirtschaft soll und darf es in Südkorea nicht geben. <br />
<br />
Auch mir haben Regierungsvertreter bei Besuchen in Seoul noch im verganenen Herbst ein blumiges Bild von der baldigen Erholung gemalt. Einige Ökonomen wollten gar nicht mit westlichen Journalisten sprechen, weil die Lage so heikel sei.<br />
<br />
Nun sind die Südkoreaner eigentlich außerordentlich clevere Leute. Minerva hatte nichts geschrieben, was nicht auch von den offeneren der südkoreanischen Wirtschaftswissenschaftler zu erfahren gewesen wäre -- oder aus den Berichten internationaler Banken und Institutionen. <br />
<br />
Doch Minerva hatte etwas, was diese nicht haben. Er hatte 40 Millionen koreanische Besucher in seinem Blog. Park schrieb anonym. Das erlaubte es ihm, seine Meinung völlig frei zu verbreiten - dem kontrollsüchtigen Staat gegenüber eine Frechheit. <br />
<br />
Nach seinen beeindruckend genauen Vorhersagen lasen die Südkoreaner sein Blog wie die Prophezeiungen eines Wahrsagers und richteten ihre Investmententscheidungen danach aus. (Ostasiaten sind tendenziell auch ein klein wenig abgergläubisch.) <br />
<br />
Minerva fuhr einfach fort, düstere Vorhersagen zu machen. Der südkoreanische Aktienindex Kospi stürzte in ungeahnte Tiefen.<br />
<br />
Park ist jedoch trotz allem nur ein Nerd, der viel Zeit zuhause verbrachte und keinen festen Job hatte. Er hatte Kommunikation studiert und machte sich Gedanken über die Wirtschaftswelt. Er zog einfach die richtigen Schlussfolgerungen aus Nachrichten, die jedem zur Verfügung stehen.<br />
<br />
Es ist ein Skandal, dass ein Gericht in Seoul es der Polizei am 10. Januar erlaubte, ihn weiter in Untersuchungshaft zu halten. Wie will sich Südkorea als kreatives Technikland zeigen, wenn die Bürger in Bloggs ihre Meinung nicht sagen dürfen? Da reicht es nicht, modernere Handys und mehr DSL-Leitungen zu haben als alle anderen.<br />
<br />
Er habe jetzt echte Angst vor einer Gefängnisstrafe, sagt Park, ein außergewöhnlich talentierter Blogger, aber von Typ her kein selbst erklärter Held für die Pressefreiheit. Vermutlich muss er noch ein bis zwei Monate auf seinen Prozess warten. Hoffentlich kommt er bald wieder frei.<br />
<br />
]]></description>
<pubDate>Mon, 26 Jan 2009 15:52:48 +0100</pubDate>
<dc:creator>hbgr039</dc:creator>
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</item>
<item>
<title>Pop in Peking</title>
<link>http://hbgr39.blogg.de/eintrag.php?id=96</link>
<description><![CDATA[Die auftrebende chinesische Popkultur befindet sich in einer privilegierten Lage. Sie kann sich auf einen Berg an Material und Vorbildern des post-postmaterialistisch-dekadenten Westens stützen. Noch in den 80er-Jahren hatte künstlerische Betätigung in der Volksrepublik möglichst konstruktiv, sozialistisch korrekt und realistisch zu sein. In den 90ern hob sich langsam der Deckel ab, und jetzt bricht das Land in Kreativität aus. <br /><br /> Die Designer, Künstler, Grafikgestalter, Magazinlayouter, Regisseure und Werbeagenturen können sich dabei auf hundert Jahre Popkultur in Amerika, Europa und Japan stützen. Bilddatenbanken quellen über mit spektakulären Fotos. Unzählige Gestaltungselemente hat irgendeine avantgardistische Zeitschrift schon einmal ausprobiert – sei es in San Francisco oder in Paris. Zahllose spannende Werbekampagne sind schon umgesetzt. Und so weiter.<br />
<br />
Es kommt noch besser. Das Zeitalter von Internet, Digitalkamera und Scanner macht dieses ganze Material sofort verfügbar und verteilbar. Wenn ein interessierter Chinese auf Europareise ein Gestaltungselement entdeckt, kann er den Fund sofort mit seinen Freunden in Peking teilen. Und auch ganz ohne sein Büro zu verlassen, ist das Internet eine Fundgrube von Elementen aus allen Sparten und Klassen der Gestaltung.<br />
<br />
Man sieht es in Peking. Die Optiken von Musikzeitschriften schwelgen in spektakulären Fotos und steilen Ideen zur Typografie. Die Musikvideos werden subtiler und professioneller. Bars, Restaurants und Cafés borgen sich hippe Innenarchtitektur aus allen Teilen der Welt. <br />
<br />
Künstler machen richtig gelungene Aktionen und zeigen dabei eine Frische, die im Westen nach der ersten Aufbruchszeit in die Moderne wieder verloren gegangen ist. Auch hier geht es los: China tut den Schritt übers Abgucken hinaus zur Originalität.]]></description>
<pubDate>Fri, 15 Aug 2008 01:31:45 +0200</pubDate>
<dc:creator>hbgr039</dc:creator>
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</item>
<item>
<title>Die CEOs der Zukunft</title>
<link>http://hbgr39.blogg.de/eintrag.php?id=95</link>
<description><![CDATA[In China (und auch in Korea – nicht aber in Japan) begegnen mir immer wieder junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Organisationen, die offensichtlich zu gut für ihren Job sind. Sie befinden sich zeitweilig in untergeordneten Positionen, sind aber zu höherem berufen. Und sie lassen einen ihren Status auch merken. <br /><br /> Ich meine beispielsweise einen Uniabsolventen Anfang/Mitte 20, der als Praktikant bei einem US-Milliardenkonzern mithilft, die Presse im Pekinger Olympiazirkus zu betreuen. Er trägt eine dünnrandige Brille. Als ich im Small Talk frage, warum er so gut Englisch spricht, sagt er: „Ich habe einen Abschluss in Jura und Wirtschaft von der Harvard-Universität.“<br />
<br />
Ja. Das sitzt. Jetzt hat er es mir gegeben. Ich habe nur einen Abschluss von der Humboldt-Universität.<br />
<br />
Diese jungen Leute nennen einem als Ausländer grundsätzlich nur ihren englischen Pseudeo-Namen und heißen dann „Susi“ oder „John“. Auch auf Nachfrage sagen sie ihren echten chinesischen Namen nicht. Wenn doch, dann etwas zweifelnd-herablassend. Ausländer können ihn sich vermutlich ohnehin nicht merken. Und hat man nicht im Marketing-Teil seines MBA gelernt, simpel und verständlich mit dem Kunden zu kommunizieren?<br />
<br />
Als Freiwillige im Pressezentrum, als Tourbetreuer – immer mal wieder tauchen diese Menschen auf. Ihre Anwesenheit hat Vorteile. Sie können wirklich Probleme lösen und sprechen fließend Englisch. Damit ragen sie unter den bemühten, aber manchmal etwas hilflosen normalen Freiwilligen oder Praktikanten heraus. <br />
<br />
Diese Turbo-Praktikanten lassen sich schnell erkennen. Sie schauen so wissend. Wissend, dass sie eigentlich zum CEO ihrer Firma berufen sind, ihre Zeit bloß noch nicht gekommen ist.<br />
<br />
Aber vermutlich habe ich als Deutscher bloß ein Problem mit einem gesunden Elitebewusstsein.<br />
<br />
In Korea fiel einmal etwas der Lack ab von einm der jungen Erfolgsmenschen. Beim langen Trinkgelage am Vorabend hatte er sich etwas verhoben. Er schaffte es aber am Morgen trotzdem pünktlich mit der Journalistengruppe in den Tourbus. Der junge Mensch stand aber faktisch noch unter Alkoholeinfluss. <br />
<br />
Erst erzählte er freimütig von seiner großen Zukunft. Dann machte er den Fehler und erzählte Geheimnisse aus seiner Armeezeit: Dass Soldaten in Südkorea geschlagen werden, welche Aufgabe er bei der Abwehr der Nordkoreaner hatte, dass die Südkoreaner die Nordkoreaner hassen. Sein Chef saß hinter uns. Er nahm sich nach dem Aussteigen den Jobneuling für einige klare Worte beiseite.<br />
<br />
Das war dann diesmal vielleicht doch erstmal nichts mit dem kometenhaften Aufstieg nach dem sündteuren Studium auf anderen Kontinenten in Yale, Harvard, am MIT, in Cambridge oder Oxford.<br />
]]></description>
<pubDate>Thu, 14 Aug 2008 02:10:26 +0200</pubDate>
<dc:creator>hbgr039</dc:creator>
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</item>
<item>
<title>Peking sophistiziert sich</title>
<link>http://hbgr39.blogg.de/eintrag.php?id=94</link>
<description><![CDATA[Im Vergleich zu früheren Besuchen in Peking finde ich die Zunahme an gutem Geschmack und Niveau ganz erstaunlich. <br /><br /> <b>Architektur.</b> Noch 2003 waren die Gebäude in der Innenstadt im Wesentlichen eines: groß. Vermutlich lag es an den Techniker chinesischer Baufirmen: Fast alle folgten einer kastenförmigen Grundform. Patriotisch gesinnte Architekten verpassten diesen Buildings dann eine Art Pagodendach, das allerdings wie ein Kinderhütchen auf einem Elefanten wirkte. Moderne Architekten machten eine glatte Glasfassade. Die Grundform war allerdings ein schwerer, rechteckiger Block.<br />
<br />
Damals war jedoch bereits im Bau, was sich nun bis Olympia entfaltet hat. Leichte Gebäude und solche mit origineller Form. Spitzenbeispiel ist das verdrehte Ding, das der TV-Sender CCTV errichtet hat. Doch avantgardistische Architektur findet sich jetzt allenthalben. Runde Gebäude, die nach oben hin breiter werden und als umgekehrte Trichter stehen. Aufgebrochene Frontpartien, spannende Bögen. Pekings Bauweise ist teuer und raffiniert geworden. Die Blöcke aus den 80er- und 90er-Jahren sehen dazwischen ziemlich alt aus.<br />
<br />
<b>Sitten.</b> Die Chinesen spucken weniger. Kellner waschen sich auf dem Klo die Hände. Takifahrer rufen beim Aussteigen des Fahrgastes fröhlich „bye, bye“. Alles früher nicht selbstverständlich.<br />
<br />
<b>Raffinesse.</b> Vor fünf Jahren gab es zwar auch schon sündteure Läden für Markenklamotten in gigantischen Shopping-Malls. Was inzwichen jedoch in den hippen Stadtteilen aufgetaucht ist, erinnert mehr an Berlin oder New York. Beispielsweise subtile Boutiquen in traditionellen Steinhäuschen der Seitengassen mit Stücken einer unabhängigen Designerin – der Ladenbesitzerin. Präsentiert mit einfachsten Mitteln, dafür umso cooler. Es gibt jetzt einen Markt für sowas: Die Zahl der jüngeren Leute mit Geld, die etwas außergewöhnliches sucht, hat die kritische Masse erreicht. Es gibt jetzt sogar Gesundheites-Supermärkte mit Ökowaren und Präsentation des Obstes auf einem Deko-Gestell aus edlem Holz.<br />
<br />
<b>Verkehr.</b> Die Autos halten nicht nur bei rot. Sie stoppen in vorauseilendem Gehorsam sogar schon bei hellgelb. Vor wenigen Jahren noch war Peking richtig gefährlich. Verkehrsampeln waren neu. Wenn ein Ortsfremder sich darauf verließ, bei Grün gehen zu können, wurde er meist von drei Seiten ärgerlich angehupt. Denn die Ampel war nur ein zusätzliches Blinkspiel, das sich irgendwelche Bürokraten ausgedacht hatten. Inzwischen hat die Verkehrserziehung durch die Polizei gewirkt.<br />
]]></description>
<pubDate>Wed, 13 Aug 2008 04:28:51 +0200</pubDate>
<dc:creator>hbgr039</dc:creator>
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<item>
<title>Chinesisch, Japanisch, Englisch - wo die Infos mehr wert sind</title>
<link>http://hbgr39.blogg.de/eintrag.php?id=93</link>
<description><![CDATA[Als Korrespondent in Japan bin ich es gewöhnt, dass japanischsprachige Zeitungen, Fernsehsender und Websites viel mehr, genauere und ausführlichere Nachrichten zum eigenen Land bringen als englische Quellen. In China ist das anders. <br /><br /> Der Unterschied liegt einerseits in der Zensur. Der Staat erlaubt es chinesischen Journalisten und Bürgern zwar durchaus, über Ereignisse zu berichten. Es ist aber weniger Vielfalt erlaubt – der Blickwinkel ist bei kritischen Themen von vorneherein festgelegt.<br />
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Die Tibet-Aktionen beispielsweise in den vergangenen Tagen in Peking sind in den chinesischsprachigen Berichten nicht aufgetaucht.<br />
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Doch auch die andere Seite der Rechnung verstärkt den Unterschied. Es gibt nicht nur weniger verlässliche Informationen auf Chinesisch - es gibt zugleich viel mehr über China auf Englisch. Im Reich der Mitte arbeiten viel mehr Journalisten und Menschenrechtsgruppen, die eifrig publizieren. <br />
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Nachrichtenagenturen, Magazine, Zeitungen haben in den vergangenen zehn Jahren Korrespondenten aus Tokio abgezogen und nach China geworfen. Die Anzahl der Korrespondenten in Tokio hat sich unterm Strich seit 1993 auf 60 Prozent verringert. Die Deutschen sind noch vergleichsweise treu, aber die Amerikaner sind viel weniger geworden. <br />
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Die gebildeten Japaner beklagen sich über die Korrespondentenflucht und weisen auf die Größe der eigenen Wirtschaft hin. Doch in China passiert viel mehr. <br />
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Japans Presse bekommt die Berichterstattung über ihr eigenes Land übrigens auch gut alleine hin. Ihre Tradition reicht tief ins 19. Jahrhundert zurück. Die Journalisten schränken sich selbst zwar viel zu oft freiwillig bei der Berichterstattung ein, aber der Staat redet ihnen nicht in Handwerk.]]></description>
<pubDate>Tue, 12 Aug 2008 01:07:43 +0200</pubDate>
<dc:creator>hbgr039</dc:creator>
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<title>Preußisch Peking</title>
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<description><![CDATA[Ein Geständnis. Ich finde es toll, wie die Chinesen ihre Hauptstadt aufgeräumt haben. Zugegeben, die vertriebenen Wanderarbeiter fanden das vermutlich nicht so lustig. Auch die Baufirmen und Industriebetriebe, die für mehrere Wochen Pause machen müssen, dürften nur wenig begeistert sein. Genauso wie Autofahrer, die zufällig das falsche Nummernschild haben und nicht fahren dürfen. Aber aus Sicht der Besuchers ist die Verschönerung gelungen. <br /><br /> Das einstmals heiße, gammelige, schmutzige, riesengroße Peking bietet plötzlich überall was fürs Auge. Wie viel Wasser mögen wohl die großen Inseln mit Topfpflanzen bei der Hitze täglich verbrauchen? Ist mir eigentlich egal, denn durch diese Oasen wirkt die Stadt frischer und kühler. Manchmal fällt die Stadtdekoration etwas kitschig aus. Wie etwa das sattgrüne, dreidimensionale Blumenarrangement in der Nähe des Lama-Tempels. Es zeigt einen Abschnitt der Chinesischen Mauer.<br />
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A pros pros Mauer, alles Hässliche ist hinter Planen mit bunten Olympia-Mustern verschwunden. Einstmals schmutzige Straßen sind piekfein sauber. Helfer mit Wasserspritzen und Reisigbesen kehren und schrubben. Alte Männer sammeln Zigarettenkippen auf.<br />
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Viele der Netze von kleinen, traditionellen Gässchen sind durchweg renoviert. Sehenswürdigkeiten sind frisch gestrichen. Wo Peking zu dunkel war und zwielichtiges Volk angezogen hat, ließ die Stadtregierung es zum Teil einfach neu aufbauen.<br />
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Die Chinesen stehen plötzlich an Schaltern und Tresen in Reihen an. Auch als Ausländer habe ich nun eine Chance, in fairer Reihenfolge bedient zu werden.<br />
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Allenthalben sind neue, architektonisch herausfordernde Gebäude entstanden. Plätze mit einem flair vom Seine-Ufer in Paris liegen in der Innenstadt plötzlich direkt neben dem alten China. Indem Peking diesen öffentlichen Raum schafft, überholt es die Betonwüsten Tokio und Seoul an urbaner Qualität. (Obwohl die sich zuletzt auch mehr Mühe geben.)<br />
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Eigentlich ist es ja politisch nicht korrekt, das alles gut zu finden. Ich müsste mich eigentlich darüber echauffieren, dass hier auf Befehl von oben so viele Leute in ihren Bedürfnissen nachgeben müssen. Alles nur, um dem Ausland gegenüber einen guten Eindruck zu machen. <br />
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Aber das Ergebnis kann sich echt sehen lassen. Es zeigt den Pekingern vermutlich, dass ihre Stadt so schön sein könnte wie mancher Ort in Europa. Ich denke, der Effekt wird nachhaltig sein.<br />
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Was mich zu der Frage führt: Könnte man Berlin nicht auch mal so aufräumen? Zumindest ein bisschen?]]></description>
<pubDate>Mon, 11 Aug 2008 13:05:56 +0200</pubDate>
<dc:creator>hbgr039</dc:creator>
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